Am Anfang der Geschichte St. Georgens steht die Gründung des Benediktinerklosters im Jahre 1084, denn in der vorklösterlichen Zeit gab es lediglich Ansätze menschlicher Besiedelung. Ansonsten war der Schwarzwald im hohen Mittelalter eine noch weitgehend unwegsame und unerschlossene Wildnis. Doch eben diese Weltabgeschiedenheit war es damals, die zahlreiche Klostergründungen bewirkte.
Die Geschichte St. Georgens beginnt jedoch nicht auf den Höhen des Schwarzwaldes, sondern im oberschwäbischen „Walda“, dem heutigen Königseggwald im Landkreis Ravensburg. Dort war bereits um das Jahr 960 durch Landold I. eine Georgskapelle gestiftet worden. Über 100 Jahre später beschloß sein Urenkel Hezelo, der Schirmvogt der Reichenau, nach enttäuschten politischen Hoffnungen und dem Tod seiner Frau, ein Kloster zu stiften und mit Gütern auszustatten. Zusammen mit seinen beiden Mitstiftern Hesso und Konrad wollte er die Kapelle in Königseggwald zum Kloster erweitern. Am 4. Januar 1083 wurde die Stiftung getätigt.
Mit dem Aufbau des Klosters nach der Regel des heiligen Benedikt wurde Abt Wilhelm von Hirsau beauftragt. Dieser hielt jedoch “Walda“ als Standort für ungeeignet und machte seine Mithilfe von einer Verlegung abhängig. Er fürchtete wohl die zu großen Einflussmöglichkeiten des auf der nahen Burg Königsegg residierenden Hezelo und befand den Ort - im Gegensatz zu heute - für zu unruhig. Als Platz für die Errichtung des Klosters wurde schließlich der Berg ausgewählt, auf dem heute die Stadt St. Georgen steht, „der um seiner Lage willen mit Recht der Scheitel Alemaniens genannt werden mag“.
Am 22. April 1084 trafen Hesso und Konrad zusammen mit einigen Hirsauer Mönchen ein und begannen mit den Bau- und Rodungsarbeiten. So beginnt mit diesem Datum die Geschichte St. Georgens. Bald war eine kleine Holzkapelle fertiggestellt, die am 24. Juni 1085 vom Konstanzer Bischof Gebhard zu Ehren des heiligen Georg geweiht wurde. Nachdem der Bau weiter fortgeschritten war, wurde am 6. Dezember 1086 der bisherige Prior von St. Georgen, Heinrich, zum ersten Abt des Klosters gewählt. Nach seinem Tod am gleichen Tag des folgenden Jahres wurde Konrad zum Nachfolger bestimmt.
Ein Jahr später, im Jahr 1088, trat Theoger sein Amt in St. Georgen an. Er stand der Abtei bis 1118 vor und war wohl der bedeutendste Leiter des Klosters in all den Jahrhunderten. Nach dem Tod von Abt Wilhelm von Hirsau war er der führende Kopf der damaligen Reformbewegung. Unter ihm entstand die prächtige romanische Klosteranlage und in dieser Zeit gelangte die Abtei zu großem Reichtum und großer Blüte. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts unterstanden ihr zehn Klöster.
Theoger wurde 1118 zum Bischof von Metz gewählt. Die Metzer hielten jedoch ihrem neuen, päpstlich gesonnenen Bischof die Tore verschlossen, da sie beim damaligen Streit zwischen Kaiser und Papst auf der kaiserlichen Seite standen. Theoger begab sich darum in die Abtei Cluny in Burgund, jenem berühmten Kloster, von dem einst die Reform ausging, die über Hirsau nach St. Georgen kam. Dort starb er am 29. April 1120, ohne jemals sein Bischofsamt in Metz angetreten zu haben.
Im Jahre 1223 wurden große Teile des Klosters durch Blitzschlag zerstört. Der Neubau wurde 1255 geweiht. Die folgenden Jahre waren dann geprägt vom Zerfall der klösterlichen Ordnung und religiösem Niedergang. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts erlebte die Abtei nochmals eine neue Blüte.
Im ersten Jahr der Amtszeit des Abtes Georg I. von Ast, 1474, brannte die gesamte Klosteranlage nieder. Nach 20-jähriger Bauzeit war die große gotische Abtei vollendet. Ende September 1496 kam Bischof Daniel nach St. Georgen, um den Neubau zu weihen. Zu jener Zeit reichte der Einflussbereich des Benediktinerklosters von den Vogesen über den süddeutschen Raum bis in die Steiermark. Im Jahre 1519, während des Krieges des schwäbischen Bundes mit Herzog Ulrich von Württemberg, und in den unruhigen Zeiten des Bauernkrieges 1524/25 brachen auch für die Abtei schwere Zeiten an, doch mit Glück und Geschick konnte ihre Zerstörung zwei Mal verhindert werden.
Nun folgte ein Ereignis, das für die ganze weitere Entwicklung St. Georgens maßgeblich war, ein Wendepunkt. Es hatte seinen Ursprung in der Schutzherrschaft über das Kloster. Die Schutzherren, auch Schirmvögte genannt, hatten unter anderem die Aufgabe, das Kloster in jeder Gefahr zu schützen, seinen Besitz zu verteidigen, seine Rechte zu sichern und die hohe Gerichtsbarkeit auszuüben. Das St. Georgener Kloster hatte im Lauf der Zeit durch Kaiser und Päpste das Recht erhalten, seinen Schirmvogt selbst wählen zu dürfen. Erster Schutzherr war Gründer Hezelo, der ebenso wie Hesso sein Leben als Mönch im Kloster St. Georgen beschloß. Ihm folgte sein Sohn Hermann.
Im Jahre 1114 wurde Berthold II. zum Schirmvogt gewählt. Damit war die Schutzherrschaft auf das mächtige Adelsgeschlecht der Zähringer übergegangen. Nach dessen Aussterben im Jahr 1218 gelangte sie an die Herren von Falkenstein. Später wurde sie mehrfach verpfändet, aufgeteilt und verkauft. So fiel sie 1534 schließlich an Herzog Ulrich von Württemberg. Dieser verstand es, seine schutzherrschaftlichen Befugnisse immer weiter, bis hin zur Landeshoheit, auszudehnen. Dieser Ulrich hatte jedoch für sich die Lehre Luthers angenommen und wollte auch sein Land reformieren.
Dieses Bestreben hatte einen nachhaltigen Einfluß auf die Abtei und damit auf die weitere Geschichte St. Georgens. Bereits im gleichen Jahr wurde befohlen, „die katholischen Pfarrer zu entfernen“. Schon im April 1535 kam Hans Spreter als erster evangelischer Geistlicher nach St. Georgen. Am 26. Dezember 1535 traf dann Jos Münch als Beauftragter des Herzogs ein, um den Konvent zum Übertritt zum Protestantismus zu zwingen. Aller Widerstand der Mönche war vergeblich und am 5. Januar 1536 flohen sie im dichten Schneetreiben nach Rottweil. Danach stellte sich der Konvent unter den Schutz des katholischen Hauses Österreich und ließ sich mit dessen Erlaubnis bald darauf in der vorderösterreichischen Stadt Villingen nieder.
Nachdem die Protestanten jedoch eine Schlacht beim Schmalkaldischen Krieg verloren hatten, musste Herzog Ulrich fliehen und die Mönche konnten 1548 wieder nach St. Georgen zurückkehren. Nur wenig später vollzog sich ein neuer Umschwung, als der Nachfolger Ulrichs, Herzog Christoph, erneut die evangelische Religion einführte, jetzt legitimiert durch den Augsburger Religionsfrieden vom 29. September 1555. Mit einer neuen Klosterordnung wollte Christoph die Klöster zu evangelischen Klosterschulen machen, in denen der Schwerpunkt auf Gebeten und dem Studium der Bibel lag. Obwohl die St. Georgener Klosterschule große Bedeutung erlangte, wurde sie bereits 1595 wieder aufgelöst. Der Konvent wollte die neue Ordnung nicht anerkennen und so waren die Mönche bereits 1556 wieder nach Villingen zurückgekehrt.

Herzog Christoph verfuhr nach der Praxis, die katholischen Äbte bis zu ihrem Rücktritt oder Tod in Amt und Würde zu belassen, um sie dann durch evangelische Äbte zu ersetzen. Als Abt Johannes Kern 1566 in Villingen gestorben war, wählte der Konvent Nikodemus Leupold zu seinem Nachfolger. Dieser wurde jedoch vom Herzog nicht mehr anerkannt und Servus Bertschin wurde in St. Georgen zum ersten evangelischen Abt gewählt. So gab es fortan zwei St. Georgische Äbte: einen evangelischen, der im Kloster wohnte, und einen katholischen, der sich mit seinem Konvent in Villingen aufhielt. Abt Nikodemus strengte einen Prozeß vor dem Reichskammergericht in Speyer an, um die Rückgabe des Klosters an den katholischen Abt zu erwirken.
Während des 30-jährigen Krieges erließ Kaiser Ferdinand II. 1629 das Restitutionsedikt, dem zufolge alle nach 1552 eingezogenen Stiftungen und Güter der römisch-katholischen Kirche zurückgegeben werden sollten. Doch als Georg II. Gaisser, mittlerweile Abt in Villingen, mit 200 bewaffneten Reitern am 27. August 1629 nach St. Georgen zog, um das Kloster wieder zu übernehmen, war es von den Württembergern befestigt worden. Der Abt sah, dass das Kloster nicht eingenommen werden konnte und so musste der Trupp unverrichteter Dinge wieder abziehen.
Bald trat jedoch eine erneute Wende ein. Das Reichskammergericht in Speyer, nicht eben für schnelle Erledigung bekannt, entschied nach 64 Jahren den Prozeß, den Abt Nikodemus angestrengt hatte. Das Urteil vom 11. März 1630 fiel zu Gunsten des katholischen Abtes aus und so konnte der Konvent am 2. September 1630 erneut nach St. Georgen umziehen. In der Folgezeit mussten die Mönche des öfteren vor den württembergischen Soldaten fliehen, so auch im Januar 1632.
Bald darauf wurde Villingen von schwedischen und württembergischen Truppen belagert, welche St. Georgen als Stützpunkt benutzten. Dies war den Villingern ein Dorn im Auge und am 13. Oktober 1633 war das Ende St. Georgens als Klosterort endgültig gekommen: Die Villinger zündeten das außerhalb der Klostermauern gelegene Amtshaus an, von wo die Flammen auf die Abtei übergriffen und die ganze herrliche Anlage in Schutt und Asche versinken ließen. Auch in der Folgezeit litt die nun völlig verarmte Bevölkerung unter den Raubzügen der Villinger.
Dort ließen sich die St. Georgener Mönche nun endgültig nieder. In den folgenden Jahren errichteten sie die heute noch bestehenden Klostergebäude mit der prächtigen Barockkirche. Als Abt Georg II. Gaisser 1655 starb, war er der letzte Abt, der wenigstens zeitweise in St. Georgen lebte. Am 25. Juli 1806 endete schließlich auch die Geschichte des „Benediktinerklosters St. Georgen zu Villingen“, als es im Zuge der Säkularisation aufgehoben wurde.
Im Westfälischen Frieden von 1648 wurde das Jahr 1624 als „Normaljahr“ festgesetzt, das heißt, es wurden den Evangelischen die Güter und Kirchen zugesprochen, welche sie in jenem Jahr besessen hatten. Da St. Georgen 1624 zum evangelischen Württemberg gehörte, wurde es diesem nun endgültig zugesprochen, nachdem die Bewohner fünf Mal den Glauben gewechselt hatten. Das sollte auch so bleiben, bis St. Georgen am 5. Oktober 1810 zum Großherzogtum Baden kann.
Nach dem Niedergang der Abtei lebte über zwei Jahrhunderte im ganzen Kirchspiel kein Katholik mehr. Nach dem 30-jährigen Krieg wurden verdiente evangelische Geistliche mit dem Ehrentitel „Abt von St. Georgen“ ausgezeichnet. Diese hatten jedoch nur noch Repräsentationsaufgaben und wohnten auch nicht mehr in St. Georgen.
Die Klosteranlage selbst existierte seit dem Jahre 1633 nur noch als Ruine. Diese zerfiel im Laufe der Zeit immer weiter, der Kirchturm stürzte 1726 ein. Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts bemühte sich der evangelische Pfarrer Eduard Martini darum, an Stelle der zu klein gewordenen evangelischen Lorenzkirche einen Neubau über den Ruinen der Abteikirche errichten zu lassen. Diese Pläne wurden leider nicht verwirklicht. Vielmehr verkannte man den historischen Wert der Ruine und auf Grund eines Gutachtens von Baudirektor Heinrich Hübsch wurden die Überreste des Klosters abgebrochen und die Steine für verschieden Bauvorhaben in der Stadt verwendet.

Die Klosteranlage
Im April 1084 kamen die ersten Mönche nach St. Georgen. Sie errichteten zunächst eine kleine Holzkapelle, die am 24. Juni 1085 geweiht wurde. Unter Abt Theoger wurde 1096 mit dem Bau einer großen steinernen Anlage im romanischen Stil begonnen. Die Klostergebäude und die Kirche „Unserer lieben Frau“ bildeten ein nicht geschlossenes Viereck, dessen Nordseite die Kirche, die Ostseite der Kreuzgang und die Prälatur sowie die Südseite das Refektorium und die Mönchszellen einnahmen. Die Westseite in Richtung des Klostertores stand offen. Vermutlich war der Ausbau noch nicht beendet, als Theoger 1118 die Abtei verließ. Erst in den folgenden Jahren wurde der Komplex fertiggestellt. 1223 wurden das Münster und die meisten Klostergebäude durch Blitzschlag zerstört. 30 Jahre lang wurde an dem Neubau gearbeitet, der schließlich im Juni 1255 konsekriert wurde.
Nur kleinere Schäden richtete der Brand von 1328 an. Bereits im Oktober des gleichen Jahres erfolgte die Wiedereinweihung. Damals waren neben der Abteikirche unter anderem vier Kapellen vorhanden. Diese waren der heiligen Magdalena, den 11000 Jungfrauen, dem heiligen Stephanus und den heiligen Bernhard und Wilhelm gewidmet. Zwischen 1350 und 1360 wüteten zwei kleinere Brände.
Im Jahr 1474 wurde nahezu die gesamte Anlage eingeäschert. In der Folgezeit entstand unter Abt Georg I. von Ast ein prächtiger Komplex im gotischen Stil, der Ende September 1496 seine Weihe erhielt. Es war das letzte Mal, dass das Kloster nach seiner Zerstörung wieder aufgebaut wurde. Um 1530 boten die Gebäude folgendes Bild:
Die ganze Anlage bildete ein unregelmäßiges Viereck, das von einer Ringmauer umgeben war. Diese war auf der Westseite 102, auf der Südseite 182 und im Osten 109 Meter lang. Gegen Norden brachte sie es, einschließlich der Kirche, auf 156 Meter. Die Abteikirche „Zu unserer lieben Frau“ nahm etwa die Hälfte der Nordseite bis zum Haupttor ein. Sie erreichte eine Länge von 77,7 Meter, das Kirchenschiff war 14,7 und der Chorraum 10 Meter breit. Neben einem hohen Hauptturm waren vermutlich noch zwei kleinere Türme vorhanden. Links neben dem Eingang stand eine kleine Kapelle mit dem Grab des Abtes Georg I. von Ast.
Im Gotteshaus befanden sich 10 Altäre. In alten Quellen sind davon zwei Altäre zu Ehren von Petrus und Paulus, ein Altar des Begräbnisses des Herrn sowie ein Kreuz- und ein Altar der heiligen Katharina erwähnt. Der Hochaltar war Georg und Maria gewidmet. Im Chorraum befand sich auch das Grabmal der beiden Stifter.

Die Kirche hatte vier Eingänge. An sie stieß, verbunden durch Kreuzgang und Sakristei, die Abtswohnung mit der unterirdischen Kapelle des heiligen Benedikt. Ebenfalls in der Prälatur unter dem Domizil des Abtes lag, verbunden mit dem Kreuzgang, die Allerheiligenkapelle. Im gleichen Komplex war auch die „obere Kapelle“ untergebracht. Zudem ist noch von weiteren Kapellen zu Ehren der heiligen Michael, Maria, Wolfgang und Nikolaus die Rede.
Nach der Zerstörung durch die Villinger im 30-jährigen Krieg am 13. Oktober 1633 verfiel die Ruine im Laufe der Zeit immer weiter. 1726 stürzte der Kirchturm ein und um 1840 war von der einst imposanten Anlage außer ein paar Mauern nicht mehr viel übrig. Nach dem Brand St. Georgens 1865 gab man die Ruinen als Steinbruch zum Wiederaufbau des Ortes frei. Heute sind außer ein paar Steinen und Figuren im Museum sowie einigen Straßennamen keine Spuren der Abtei mehr zu sehen, die sich einst auf dem Gelände erhob, das heute von der Gerwig-, Schul-, Friedrich- und der Gewerbehallestraße eingegrenzt wird.
Das Klosteramt
Mit dem Westfälischen Friedensschluss von 1648 wurden die territorialen Zustände des Jahres 1624 fixiert. St. Georgen kam zum evangelischen Württemberg. Abt Gaisser verlor alle Rechte am Kloster und seinen Besitzungen und zog im November 1648 endgültig nach Villingen. Am 28. Dezember des gleichen Jahres nahm eine württembergische Kommission den Untertanen den Huldigungseid ab. Damit war Württemberg im unanfechtbaren Besitz von Kloster und Klostergebiet.
Rechtsnachfolger der Abtei wurde das so genannte Klosteramt. An seiner Spitze stand der vom Herzog eingesetzte Klosteramtmann. Schon zu Zeiten früherer Besitznahmen der Abtei im 16. und 17. Jahrhundert hatte Württemberg zeitweise solche Amtmänner eingesetzt. In ihrer Hand lagen die Verwaltung der Güter sowie die landesherrlichen Befugnisse des ehemaligen Klosters. Von 1807 bis 1810 nannten sich die Amtmänner „Kameralverwalter“.
Als St. Georgen am 5. Oktober 1810 zum Großherzogtum Baden kam, wurde das württembergische Klosteramt aufgelöst. An seine Stelle trat die großherzoglich-badische Domänenverwaltung. Nach ihrer am 11. August 1831 verfügten Auflösung und der Verlegung nach Villingen wurden für alle so genannten herrschaftlichen Grundstücke und Gebäude neue Verwendungsmöglichkeiten gesucht. Als „herrschaftlich“ wurden die Anwesen bezeichnet, da sie nicht im Privat- oder Gemeindebesitz waren, sondern direkt der herrschaftlichen Verwaltung des Herzogs gehörten.
Der wertvolle und umfangreiche Grundbesitz wurde nach und nach durch die Verwaltung zuerst an Privatleute oder, wie beispielsweise der Marktplatz, an die Gemeinde für einige Jahre verpachtet und danach Stück für Stück verkauft.
Geführt wurden die Verhandlungen von der Domänenverwaltung. Zahlreiche Akten aus jener Zeit haben sich in den Archiven erhalten und geben Aufschluss über die Schwierigkeiten, mit denen die Bürger damals zu kämpfen hatten, bis es ihnen gelang, einen Bauplatz zu erwerben. Als letzte Kaufverhandlung haben sich die Aufzeichnungen über den Antrag der damals noch wenigen Katholiken erhalten, die 1881 ein Grundstück zum Bau einer eigenen Kirche kaufen wollten.
Die herrschaftlichen Gebäude wurden zu privaten Wohnhäusern umfunktioniert. Im Klosteramtshaus zogen für einige Jahrzehnte die evangelischen Pfarrer ein. Mit dem Verkauf des letzten Stücks Boden vom ehemaligen Klosterbesitz waren für die St. Georgener nach über 200 Jahren die letzten spürbaren Auswirkungen der Abtei verschwunden.
Die herrschaftlichen Gebäude
Aus dem Stadtbild verschwunden sind mittlerweile die herrschaftlichen Gebäude, die sich auf dem Areal der früheren Benediktinerabtei erhoben: das mächtige Klosteramtshaus musste im Jahr 1903 dem Neubau der Robert-Gerwig-Schule weichen, der „Kasten“ wurde im Dezember 1965 wegen Baufälligkeit abgebrochen und das alte Pfarrhaus fiel 1966 der Spitzhacke zum Opfer.
Nach dem Abbruch der Gebäude stand die Stadt vor der Aufgabe, für das leer geräumte, rund 1600 Quadratmeter große Gelände einen sinnvollen Verwendungszweck zu finden. Es wurde beschlossen, neben einem erweiterten Schulhof der Robert-Gerwig-Schule einen Ort für Begegnungen und festliche Anlässe zu schaffen. Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 75-jährigen Stadtrechtsjubiläum wurde der neu gestaltete Klosterhof in einem Festakt am 1. Juli 1967 vom damaligen Bürgermeister Dr. Helmut Dahringer den St. Georgenern übergeben. Beherrschender Mittelpunkt der Anlage ist die mächtige Klosterlinde, letzter Zeuge des klösterlichen Lebens.
Der älteste bekannte Dienstsitz des Klosteramtes stand in der Südwestecke des Klosterhofs. Er wurde 1614 erbaut, diente jedoch nur bis 1666 als Domizil der Amtmänner. Abgebrochen wurde das Haus allerdings erst um 1820.
1666 zog die Verwaltung in das neu erbaute Klosteramtshaus um. Bis 1810 residierten die Amtmänner beziehungsweise Kameralverwalter und bis 1831 die Domänenverwaltung in dem stattlichen Gebäude. Nachdem im gleichen Jahr die Verlegung der Verwaltung nach Villingen angeordnet worden war, wurde es zum evangelischen Pfarrhaus umfunktioniert. Nachdem 1867 das heute noch bestehende Pfarrhaus in der Nähe der Lorenzkirche erbaut wurde, diente das Klosteramtshaus noch einige Jahre als Spital, ehe es 1903 abgebrochen wurde.

1965 fiel dann der mächtige „Kasten“ der Spitzhacke zum Opfer. Er wurde um 1700 als Zehentscheuer des Klosteramtes auf den Resten der ehemaligen Abtei erbaut. Besonders eindrucksvoll war das stattliche Kellergewölbe, das vermutlich noch ein Rest des Klosterrefektoriums war. Bis 1831 wurden im „Kasten“ die Naturalabgaben der Zehentpflichtigen gelagert, vorwiegend Getreide. Nach der Aufhebung der Fruchtspeicherung 1831 wurde der „Kasten“ bis zu seinem Abbruch als Wohnhaus genutzt.
Noch bis in die Klosterzeit zurück reichte auch die Geschichte des alten Pfarrhauses. Ursprünglich um 1633 errichtet, wurde es 1730 neu gebaut und war bis zum Umzug der Pfarrer ins ehemalige Klosteramtshaus evangelisches Pfarrhaus. Danach diente es als Wohngebäude. Im Februar 1966 wurde es bei einem Brand stark beschädigt und wenig später abgebrochen.
Das Gebäude, in dem die Klosteramtsschreiberei untergebracht war, stammte aus dem Jahre 1728 und wurde bereits 1892 abgerissen.
Als einziges der ehemals fünf herrschaftlichen Gebäude blieb bis heute nur das „Torwarthaus“ an der Ecke Schulstraße/Gerwigstraße erhalten. Es wurde 1791 auf älteren Mauerresten als Domizil des Kloster-, Tor- und Nachtwächters errichtet, der noch bis um 1830 in St. Georgen seinen Dienst tat.
Jochen Schultheiß




Die Geschichte des Klosters St. Georgen