
Baubeschreibung
Errichtet wurde das neue Gotteshaus nach Plänen von Oberbaurat Max Schätzle, dem damaligen Leiter des Erzbischöflichen Bauamtes in Konstanz. Über seine Pläne, Ideen und die Gestalt der neuen Kirche schrieb er:
„…Von vornherein war klar, dass nur in Form eines Kompromisses die geforderten 750 Sitzplätze in einem, den heutigen Bedürfnissen entsprechenden Kirchenraum und einem den städtebaulichen Erfordernissen entsprechenden Baukörper untergebracht werden könnten. Die Hauptschwierigkeit lag in der Beengtheit des nach dem Abbruch der Kirche zur Verfügung stehenden Platzes. Selbstverständlich musste das in sehr gutem Zustand sich befindliche Pfarrhaus stehen bleiben, erst recht auch das erst nach dem Ersten Weltkrieg erbaute Schwesternhaus. Mit großem Verständnis für diese prekäre Situation erlaubte die Stadt St. Georgen, die neue Kirche bis an die Hinterkante des Gehweges an der Gewerbehallestraße und vor allem auch den Turm direkt an die Straßenkreuzung zu stellen. Von vornherein war klar, dass die zur Unterbringung der Gläubigen erforderliche Grundfläche nicht in Form einer einschiffigen Kirche überbaut werden könnte. Das hätte eine unerträgliche große Baumasse ergeben. Als zweckmäßigste Lösung ergab sich ein dreischiffiger Querschnitt mit verhältnismäßig niedrigen Seitenschiffen, um damit die Maße des Mittelschiffes möglichst klein zu halten. Im Hinblick auf die klimatischen Verhältnisse des Hochschwarzwaldes konnte von einem konventionellen Ziegeldach abgesehen werden. Dadurch ergaben sich die Seitenschiffe zwangsläufig als schmale kubische, nach beiden Seiten ausragende Baukörper, die sich schön von dem dazwischen liegenden, in schmale Lamellen aufgelösten Hochschiff ablösen und es wirkungsvoll steigern.
Grundrißlich sollte sich der Baukörper der neuen Kirche nicht nur in der Gliederung seiner Massen, sondern auch in der Aufteilung der Öffnungen von der angrenzenden vielfenstrigen Bebauung unterscheiden. Daher auch der Verzicht auf konventionelle Kirchenfenster.
Ursprünglich war der Haupteingang für die neue Kirche nach der Gewerbehallestraße zu vorgesehen. Der Bauplatz jedoch verlangte unter allen Umständen eine Orientierung der Kirchenachse parallel zu ihr, so dass der Haupteingang nunmehr etwa an derselben Stelle wie bisher liegt, nur etwas weiter zurück, da Wert darauf gelegt wurde, einen einigermaßen großen Kirchplatz zu bekommen.
Die räumlichen Verhältnisse im Innern wurden an einem großen Modell eingehend studiert, vor allem auch die Lichtführung, die durch die schmalen Schlitze zwischen den Lamellen zunächst etwas ungewöhnlich wirkt. Man sieht ja im Kirchenraum praktisch keine Fenster. Trotzdem aber erfüllt eine wohltuende, fast indirekt wirkende Helligkeit den Raum und lenkt damit in keiner Weise von der Altarzone als dem geistigen Mittelpunkt ab.
Der Grundriß insgesamt ist rechteckig, der des Hauptschiffes jedoch trapezförmig, er verjüngt sich nach dem Chor zu. Umgekehrt steigt aber auch nach dem Chor zu die Schiffhöhe an. Die niedrigen Seitenschiffe sind wiederum wie das Hauptschiff unregelmäßig im Grundriss, jedoch sie verbreitern sich im Gegensatz dazu nach vorne. Ihre Außenwände lösen sich durch ein schmales Lichtband von der Decke und lassen den Raum damit höher erscheinen, als er tatsächlich ist.

Das nach dem Pfarrhaus zu fallende Gelände führte zwangsläufig zur Anordnung eines Untergeschosses. Hier konnte mühelos ein großer, gut belichteter Saal mit über 350 Sitzplätzen samt Bühne und Nebenräumen untergebracht werden. Auch eine Teeküche wurde vorgesehen, um gelegentlich im Saal die Gäste bewirten zu können. Ferner sind vorhanden drei große Gruppenzimmer, die seelsorgerlichen Zwecken zur Verfügung stehen, sowie eine Nebensakristei, die über das Nebentreppenhaus mit der darüber liegenden Hauptsakristei in Verbindung steht".

Die Ausstattung
Aus der alten Kirche wurden der Hochaltar, die beiden Seitenaltäre, der Tabernakel, der Taufstein und die Orgel in das neue Gotteshaus übernommen. Die beiden großen Figuren, Maria und Joseph, die über den Seitenaltären der alten Kirche angebracht waren, fanden in den Räumlichkeiten der Unterkirche einen neuen Platz. In die hohe Chorwand wurden die drei Chorfenster des alten Gotteshauses eingebaut. Durch das Weglassen ihres Rundbogenabschlusses wurden sie im Stil der modernen Kirche angepasst.
Von vornherein waren sowohl die Aufstellung der alten Orgel wie auch die Gestaltung des Chorraumes nur als Provisorium gedacht. Diese Übergangslösung überdauerte jedoch annähernd 30 Jahre. Erst als in den 1980er-Jahren immer größere Bauschäden auftraten und auch das Kircheninnere zusehends unansehnlicher wurde, wurde im Sommer 1989 mit einer umfassenden Renovierung und Neugestaltung des Raumes begonnen. Die technischen Anlagen wurden überholt, die Isolierung wurde erneuert und die Wandflächen frisch gestrichen. Zudem wurden neue Lampen eingebaut, die dem Kirchenraum einen besonderen Akzent verleihen.

Völlig verändert wurde der Altarbezirk. Die Seitenaltäre wurden abgebaut. Ihr Stein wurde bei der Schaffung der nahezu kreisförmigen Altarinsel und des neuen Ambos mit verwendet. In der Mitte des Bereichs fand der neu gestaltete Hochaltar seinen Platz, der nun näher an die Gemeinde herangerückt ist. Im Hinblick auf die geplante Neugestaltung der Chorwand wurden 1989 auch die drei Chorfenster ausgebaut, die Fensteröffnungen wurden zugemauert. Links neben dem Chorraum wurde eine Anbetungskapelle geschaffen. In ihr haben die ehemaligen Chorfenster einen neuen Platz gefunden. Im Rahmen der Kirchenrenovierung konnte auch der langjährige Wunsch nach einer neuen Orgel verwirklicht werden. In der Osternacht 1990 erklang das neue Instrument erstmals.
Nach langen Planungen wurde als letztes großes Werk im Rahmen der Erneuerungsarbeiten auch die Gestaltung der hohen Stirnwand in Angriff genommen. Mit der Vollendung des riesigen Gemäldes das Neckarsteinacher Künstlers Peter Valentin Feuerstein im Frühjahr 1993 ist das Innere des Gotteshauses erst gut 30 Jahre nach seiner Einweihung endgültig fertig gestellt worden. 1999 wurde dann der neue Tabernakel aufgestellt, der nun auch stilistisch zum Altarraum passt.
Weitere Schmuckstücke im Kirchenraum sind die 14 Kreuzwegstationen aus farbigem Antikglas, die in den Seitenschiffen unter dem Lichtband liegen. Einen Akzent setzt auch die Portalwand unter der Empore, bestehend aus bunten Glasbetonsteinen. Die Portale dazwischen sind aus behauenem Kupferblech. Die beiden Seitenportale sind dem Patron und dem Nebenpatron der Pfarrkirche gewidmet. Die rechte Türe trägt die Inschrift: „Heiliger Georg, Beschütze uns“. Auf dem linken Portal steht: „Heiliger Laurentius, Bitte für uns“.

Bei der Renovierung der alten Kirche in den 1950er-Jahren erhielt das Gotteshaus auch drei neue Chorfenster, gestaltet von dem Künstler Bartosz. Als der Bau im Frühjahr 1960 der Spitzhacke zum Opfer fiel, wurden die Fenster ausgebaut. Damals wurden in der Gemeinde immer wieder Stimmen laut, ob es nicht möglich sei, die Fenster in die Gestaltung der neuen Kirche mit einzubeziehen. Nach langen Überlegungen wurden die drei Rundbogenfenster des einstigen Chorraumes zu einem einzigen, rechteckig erweiterten Fenster zusammengefasst und hoch über dem Altar in die Chorwand der neuen Kirche eingefügt. Von diesem Platz leuchteten sie 28 Jahre in das Innere des Gotteshauses. 1989 wurden die Fenster bei der Renovation im Hinblick auf die Neugestaltung der Chorwand ausgebaut.
Das Mittlere erhielt bereits wenig später in der neuen Seitenkapelle seinen Platz in Blickrichtung zur Friedrichstraße. Es zeigt den auferstandenen Heiland als Sieger über Sünde und Tod. Die beiden anderen, bestehend aus jeweils vier einzelnen Fenstern, sind erst im Herbst 1992 in die Kirche zurückgekehrt. Auch sie tragen seither zum Schmuck der Seitenkapelle bei. Nun sind die insgesamt acht Glasfenster umlaufend an der Kapellenwand angebracht. Hinter den Gläsern verbirgt sich eine elektrische Beleuchtung.

An der Wand, die das Kirchenschiff von der Kapelle trennt, leuchten in kräftigen Farben Motive aus dem Leben des heiligen Georg. Ganz links ist dargestellt, wie der Heilige die Kirche und die Stadt St. Georgen schützend unter seinen Mantel nimmt. Mit einem Schwert wehrt er alles Böse und Unheil von Kirche, Stadt und ihren Bewohnern ab. Auf dem zweiten Bild rechts daneben ist die Enthauptung Georgs dargestellt. Sein Tod lässt ihn mit Christus Sieger sein.
Im dritten Feld weist Georg als Künder der Frohbotschaft über das Kreuz in der Hand zum österlichen Sieger und Herrn, Zeichen für seinen Kampf um den Glauben und die Ausbreitung des Gottesreichs. Ganz rechts, im vierten Feld, kämpft Georg als Soldat, Symbol für das Leben des Christen aus dem Ostersieg des auferstandenen Herrn und den Kampf um die Krone des ewigen Lebens.
Der Zyklus an der Wand parallel zur Gewerbehallestraße stellt Motive aus dem Leben der heiligen Elisabeth von Thüringen dar. Im linken Feld ist die Heilige als Patronin und Helferin dargestellt. In der Hand hält sie das Kreuz als Zeichen für das Erreichen der sieghaften Freude des Heilands durch die Liebe. Rechts davon, im zweiten Feld, ist dargestellt, wie Elisabeth sich für die Armen und Kranken aufopfert, bis an das Ende ihrer Kräfte.
Im dritten Bild verzichtet sie auf allen Besitz, nachdem sie von der Wartburg verstoßen wurde und nimmt Abschied von ihren Kindern. Das letzte Feld, ganz rechts, zeigt, wie Elisabeth den Sieg Christi so angenommen hat, dass sie fähig ist zum Verzicht auf ihren Gatten, den Gott nach seinem frühen Tod zu sich nimmt.
Jochen Schultheiß






Baubeschreibung und Ausstattung