Geschichte der Kirche

Die erste Kirche wird gebaut

Nach dem Niedergang des Klosters war St. Georgen über Jahrhunderte ein rein evangelischer Ort. Erst im Zuge der Industriealisierung kamen im 19. Jahrhundert wieder die ersten Katholiken hierher. Sie mußten zunächst den beschwerlichen Weg zum Gottesdienst nach Nußbach auf sich nehmen. Erst ab 1880 wurde schließlich im Saal des Gashauses "Bären" regelmäßig durch auswärtige Geistliche Gottesdienst für die wenigen Katholiken in St. Georgen gehalten.

Mit zunehmender Zahl der Katholiken wurde auch der Plan für eine eigene Kirche wieder aufgegriffen. Ein Kirchenbaufonds wurde ins Leben gerufen. Bereits am 18. Februar 1881 richtete die Stiftungskommission einen Antrag zum Kauf eines Grundstückes für den Kirchenbau an die badische Domänenverwaltung, die damals die Pacht- und Verkaufsverhandlungen über den ehemaligen klösterlichen Grundbesitz führte. In dem Schreiben heißt es unter anderem:

Die Katholiken in St. Georgen wollen eine Kirche bauen und zwar auf dem südöstlichen Theile der Kirchhofmatte. Der Kirchenplatz würde durch den Bonifatiusverein bezahlt und das Geld zum Kirchenbau soll aus dem Religionsfonds entnommen werden. Die Stiftungskommission wünscht den Bauplatz unentgeltlich oder doch um einen billigeren Preis vom Domänenärar zu erwerben.

Diesem Wunsch wurde nicht entsprochen. Es wurde ein öffentlicher Versteigerungstermin anberaumt. Dies Verhandlungen führten schließlich zum Erfolg. Durch Vertrag vom 11. November 1881 erwarb der katholische Stiftungsrat vom Großherzoglichen Domänenärar den 7 a 77 qm großen südlichen Teil der Kirchhofmatte als Bauplatz für eine Kirche. Das Gelände kostete 1500 Mark, die vom Bonifatiusverein bewilligt wurden.

 

Etwa um die gleiche Zeit regte Stiftungsrechner Karl Vogel in den katholischen Blättern des Landes eine Sammlung für den St. Georgener Kirchenbau an. Diese war so ergiebig, dass im Sommer 1885 bereits 20.000 Mark zur Verfügung standen. Endlich, im Dreikaiserjahr 1888, erhielt das Erzbischöfliche Bauamt in Freiburg den Auftrag, Pläne und die Kostenberechnung für den Bau eines katholischen Gotteshauses zu fertigen. Da damals auch die Errichtung eines Pfarrhauses in Erwägung gezogen wurde, musste der vorhandene Bauplatz vergrößert werden. Nach längeren Verhandlungen verkaufte die Gemeinde St. Georgen schließlich die angrenzende, 20 a 46 qm große Fläche an den Kirchenbaufonds. Dafür mussten 4546,60 Mark bezahlt werden.

 

Durch zahlreiche Spenden, Schenkungen, Vermächtnisse und die Unterstützung des Bonifatiusvereins war der Fonds 1889 bereits auf 47.000 Mark angewachsen und so konnte im Frühjahr des gleichen Jahres der Bau in Angriff genommen werden. Am 29. Mai begannen die Fundamentierungsarbeiten. Am 14. Juli 1889 war feierliche Grundsteinlegung durch den Gremmelsbacher Pfarrer Eduard Fahrländer, der zu jener Zeit die Katholiken in St. Georgen mit betreute. Die Urkunde, die im Grundstein an der nordwestlichen Seite des Hauptportals eingefügt wurde, hatte folgenden Wortlaut:

 

Grundsteinurkunde von 1889

Grundsteinlegungsurkunde vom 14. Juli 1889

 

Urkunde zur Hinterlegung in den Grundstein der römisch-katholischen Kirche für die katholische Gemeinde St. Georgen a. Schwarzwalde, Amt Villingen.

 

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen. Im Jahre eintausend achthundert neunundachtzig nach unserem Herrn und Heilands Jesu Christi Geburt, im zwölften Jahre des Pontifikates des hl. Vaters Leo XIII., im zweiten Jahre des Kaiserthums Wilhelm II., Königs von Preußen, im achtunddreißigsten Jahre der Regierung des Großherzogs Friedrich von Baden, unter dem Bischofe Johannes Christian Roos, da Eduard Fahrländer Pfarrer von Gremmelsbach und Curat von St. Georgen war, während Hermann Schlegel, katholischer Lehrer, Karl Burger, Philipp Dinger, Stanislaus Schwab, Karl Jordan Mitglieder der katholischen Stiftungskommission und Karl Vogel Stiftungsrechner von St. Georgen waren, wurde am 14. Juli durch den oben genannten Pfarrer Eduard Fahrländer von Gremmelsbach (Amt Triberg) der Grundstein zu dieser Kirche feierlich eingesegnet und über dem Sockel derselben der nordwestlichen Seite in das Hauptportal eingefügt. In denselben wurde diese Urkunde eingeschlossen, derselben wurde beigefügt, eine Photographie des hl. Vaters Leo XIII. und ein Bildnis des Erzbischofs Johannes Christian. In den Grundstein wurden ferner eingeschlossen: Mehrere Zeitungen, ein Stückchen St. Georgener Brod, mehrere Fruchtarten, je ein Stück Geld à 1 Mark ,à 50, à 20, à 10, à 5, à 2 ,à 1 Pfennig.

 

Die Erbauung einer katholischen Kirche in St. Georgen. Ursprünglich war in St. Georgen ein Benediktinerkloster, dem hl. Georgius geweiht, weshalb auch der jetzige Ort den Namen St. Georgen trägt. Nach Aufhebung des Klosters, welches das Schicksal so vieler anderer Klöster theilen musste, wurde kein katholischer Gottesdienst mehr abgehalten, bis vor mehreren Jahren katholische Anwohner von St. Georgen den Beschluss fassten, einen Anfangsfond zum Baue einer katholischen Kirche im Betrag von 250 Mk. durch freiwillige Beiträge ins Leben zu rufen. Durch Schenkungen, Vermächtnisse, insbesondere durch Unterstützungen des Bonifatiusvereins wuchs der Fond so rasch, dass derselbe im Jahre 1889 schon 47 000 Mark zählte, weshalb der Bau im Frühjahr mit Genehmigung des Hochwürdigsten Erzbischöfl. Ordinariates vom 7. März 1889 und desgleichen des Kathol. Oberstiftungsrathes vom 29. März 1889 durch Creditertheilung auf 46 000 Mk. rasch in Angriff genommen, und heute den 14. Juli 1889 schon der Grundstein eingesegnet werden konnte.

 

Männer, welche sich um den Kirchenbau viele Verdienste erworben, dürfen hier nicht unerwähnt bleiben. Es sind der verstorbene Hochwürdige Herr Dr. Alban Stolz, Theologieprofessor von Freiburg und weltberühmt als Volksschriftsteller, der verstorbene Hochwürdige Herr Domkapitular und Superior der barmherzigen Schwestern Dr. Josef Marmon von Freiburg, sowie die gegenwärtigen noch lebenden Vorstände des Bonifatiusvereins, Domkapitular Dr. Justus Knecht und Domkapitular Ferdinand Rudolf von Freiburg.

 

Schon seit zirka 10 Jahren war in St. Georgen ein Saal im Gasthaus zum Bären gemiethet und darin alle 14 Tage katholischer Gottesdienst gehalten. Um aber eine erfolgreiche Pastoration zu erzielen, besonders in der Schule und am Krankenbett, erkannten Geistliche und Laien, dass hier nur geholfen werden könne, wenn eine Kirche erbaut und darin alle Sonn- und Feiertage Gottesdienst gehalten werde.

 

Die Kirche hat eine Grundfläche von 272 Quadratmeter und bietet 320 Sitzplätze. Sie wird in einfach, romanischem Stile, einschiffig, mit geräumigem Chor und einem schlanken Reiterthurm erbaut. Der Plan ist das Werk des Erzbischöflichen Bauinspektors Franz Bär und des Architekten Friedrich Kempt. Bauführer Wilhelm Dreher leitet die Ausführung. Am 29. Mai 1889 wurde mit der Fundamentierung begonnen, bis Herbst 1889 soll die Kirche dem gottesdienstlichen Gebrauche übergeben werden.

 

Zur Pastoration von St. Georgen gehören noch die Katholiken von Peterzell, Sommerau und Stockwald. – Diese Orte mit St. Georgen zählen zirka 500 Katholiken, darunter sind 50 Schulkinder. Der dreieinige Gott segne auf die Fürbitte der unbefleckten Jungfrau und Gottesmutter Maria und auf die Fürsprache aller Heiligen Gottes, und insbesonders des Patrons der neuen Kirche, auf besonderen Wunsch des seligen Alban Stolz: St. Albanus, alle bisherigen und späteren Wohltäter dieser Kirche und insbesondere die neue römisch-katholische Gemeinde St. Georgen. Er segne auch die Mitarbeiter an diesem Bau und bewahre sie vor Unglücksfällen. Er verleihe auch, dass an diesem Orte, der früher schon durch das ehemalige Benediktinerkloster und seiner Bewohner, dem Gebete und dem Lobe Gottes geweiht war, der wahre Glaube, die Furcht Gottes und die Liebe des Nächsten stets blühe, sich mehre und Frucht bringe.

 

Eine Zierde der prachtvollen Lage St. Georgens möge die neue Kirche sein, noch mehr aber eine unversiegliche Quelle der Gnade und des Segens für die jetzigen und späteren römisch-katholischen Bewohner von St. Georgen und Umgebung.

 

St. Georgen, den 14. Juli 1889.

Die katholische Stiftungskommission

Der Geistliche: Pfarrer Eduard Fahrländer.

 

Anmerkung: Obwohl in der Grundsteinlegungsurkunde St. Albanus als Kirchenpatron genannt wird, wurde das Gotteshaus am 21. Juni 1896 zu Ehren des heiligen Georg geweiht.

 

 

In der Folgezeit entstand nach den Plänen des Erzbischöflichen Bauinspektors Franz Bär und des Architekten Friedrich Kempt ein einschiffiger, schmucker Bau im neuromanischen Stil mit einem Dachreiterturm. Die Kirche hatte eine Grundfläche von 272 Quadratmetern und bot rund 320 Sitzplätze.

Alte Kirche (1890 bis 1960)

 

Im Innern wurde das Gotteshaus mit reicher Ornamentmalerei ausgeschmückt. Über dem Chorbogen stand in ehernen Lettern: „Pforte des Himmels.“ Links neben dem Chorbogen war zu lesen: „Selig sind, die da wohnen in deinem Hause. In alle Ewigkeit werden sie dich loben. Ps 83.“ Auf der rechten Seite war die Schrift aufgemalt: „Ich will anbeten in deinem heiligen Tempel und will preisen deinen Namen. Ps 83.“ Der Hochaltar und die beiden Seitenaltäre waren schmucke neugotische Schnitzarbeiten. Der linke Seitenaltar war der Gottesmutter Maria gewidmet, der rechte dem heiligen Joseph.

 

Die Bauarbeiten gingen zügig voran und am 10. August 1890 feierte Pfarrer Fahrländer den ersten Gottesdienst in der neuen Kirche. Die gesamten Baukosten beliefen sich auf rund 60.000 Mark. Im gleichen Jahr war die Zahl der Katholiken auf 346 angewachsen, davon wohnten 241 in St. Georgen und 105 in den übrigen Gemeinden des Kirchspiels. Die Einwohnerzahl lag damals in St. Georgen bei 2608 und im gesamten Kirchspiel bei 4620. Ein Jahr später wurde die aufstrebende Gemeinde St. Georgen durch Großherzog Friedrich von Baden zur Stadt erhoben. Die Urkunde datiert vom 17. Dezember 1891.

 

Alte Kirche vor der Renovierung von 1952

Tag der Kirchweihe war der 21. Juni 1896. An jenem Sonntag wurde die neue Kirche von Weihbischof Dr. Friedrich Justus Knecht zu Ehren des heiligen Georg geweiht. Im Sonntagsgottesdienst eine Woche zuvor, also am 14. Juni, wurde verkündet: „Sonntag Einweihung der Kirche und Firmung (am Morgen noch hl. Messe). ¾ 7 Uhr kurzes Zeichen durch Zusammenläuten. Prozession. Nach dem Empfang bischöfliche hl. Messe. Beginn der Weihe 8 Uhr. Die vorderen Bänke müssen für die hiesigen Firmlinge und für 9 Firmlinge aus Tennenbronn reserviert bleiben. Die Weihe wird etwa bis 11 Uhr dauern, dann levitiertes Hochamt und Firmung (etwa 1 Stunde). Nachmittags ½ 3 Uhr Nachmittagsandacht. Etwa um 5 Uhr wird der hochwürdigste Herr abreisen, wozu nochmals Zeichen gegeben wird“.

 

Alte Kirche nach der Renovierung von 1952

Bereits kurz zuvor war 1893/1894 nach Plänen von Baukontrolleur Weitmann das Pfarrhaus erbaut worden.

 

 

 

Eine neue Pfarrkirche entsteht

 

Als im Jahre 1952 das Erzbischöfliche Bauamt Konstanz den Auftrag bekam, die dem hl. Georg geweihte Pfarrkirche von St. Georgen im Inneren instandzusetzen, konnte sich niemand vorstellen, dass diese Kirche schon wenige Jahre später einem Neubau weichen mußte.

 

In jenen Jahren wurde die bestehende Kirche mehr und mehr zu klein. Das Gotteshaus genügte den Ansprüchen der ständig wachsenden Gemeinde nicht mehr. Trotz mehrerer Gottesdienste pro Sonntag herrschte bei gezählten rund 1000 Kirchenbesuchern qualvolle Enge, ganz abgesehen von hohen Festtagen, an denen das Kirchlein völlig überfüllt war. Allmählich reifte der Gedanke, einen neuen und ausreichend großen Kirchenraum zu schaffen.

 

Pfarrer Willi Wellinger, seit 1957 in St. Georgen, nahm sich des drängenden Problems eines Kirchenneubaus gleich tatkräftig an. Mit der Unterstützung der zuständigen Stellen lagen schon bald die ersten Pläne vor. Das Vorhaben, das neue Gotteshaus auf der Halde zu errichten, wurde bald wieder verworfen. Mit Rücksicht auf die historische Bedeutung des Platzes, der einmal zum Klosterareal gehörte, und wegen seiner zentralen Lage wurde schließlich beschlossen, den Neubau an der Stelle der bisherigen Kirche zu errichten.

 

Die Verwirklichung des großen Projekts wurde zügig vorangetrieben und schon im Jahre 1960 machte die Abrissbirne das alte Kirchlein, das erst wenige Jahre zuvor gründlich renoviert worden war, dem Erdboden gleich. Am Weißen Sonntag, 24. April 1960, war in der alten Kirche nochmals feierlicher Erstkommuniongottesdienst. Am Montag, 25. April, wurde begonnen, das Innere des Gotteshauses auszuräumen. Am Mittwoch, 27. April, wurde um 14 Uhr der Schuleröffnungsgottesdienst für die Schulanfänger der 1. Klasse gefeiert. Es war der letzte Gottesdienst in der alten Kirche.

 

Ab Donnerstag, 28. April fanden die Gottesdienste dann nicht mehr in der Kirche, sondern in der Übergangskirche in der Schulstraße im Raum unter der Turnhalle des damals noch neuen Progymnasiums (heute Robert-Gerwig-Schule) statt. Den sonntäglichen Hauptgottesdienst feierte die Gemeinde fortan um 7.30 Uhr (!) in der evangelischen Lorenzkirche. Der Kindergottesdienst fand um 9.30 Uhr und der Spätgottesdienst um 11 Uhr jeweils in der Übergangskirche statt. Im Pfarrblatt vom 24. April 1960 war hierzu zu lesen: „Wir bitten die Gläubigen, soweit es möglich ist, am Hauptgottesdienst teilzunehmen. Der Kindergottesdienst soll den Schulkindern und Kleinkindern vorbehalten bleiben, da die Platzzahl der Übergangskirche nur sehr eingeschränkt ist. Deshalb soll auch der Spätgottesdienst nur von solchen besucht werden, die der Kinder oder Kranken wegen sich in verschiedene Gottesdienste teilen müssen oder einen dringenden Grund haben, den Hauptgottesdienst nicht zu besuchen. Wir bitten um Verständnis für diese Anordnung. Sie kommt aus der Zwangslage der Übergangszeit“.

 

In der Folgezeit wurde die alte Kirche innerhalb weniger Wochen abgebrochen. Am spektakulärsten war der Abriß des Kirchturms, der bis zu seiner Spitze eine Höhe von 25 Metern erreichte. Trotz eines Gewitters mit heftigem Regen, das gerade über St. Georgen niederging, hatten sich am Montag, 16. Mai 1960, mehrere hundert Zuschauer eingefunden, um beim Fall des Turmes dabei zu sein. Im Laufe des Tages hatten die Arbeiter der Abbruchfirma im Turm eine starke Stahltrosse um das wichtigste Stützgebälk gelegt und über den bereits ausgeräumten Kirchenraum durch ein Fenster des Chores hinausgeführt. Ein Schaufellader und ein beladener Lastwagen zur Unterstützung sollten den Turm nach rückwärts in das Kirchenschiff hineinziehen. Den ersten Versuchen kurz nach 17 Uhr leistete das 70 Jahre alte Bauwerk noch energischen Widerstand, doch genau um 17.23 Uhr war es soweit: Der Turm neigte sich langsam zur Seite und stürzte dann mit lautem Getöse in das Innere des Kirchenschiffs, wo er unter dem Krachen und Bersten der Balken in einer Staubwolke verschwand.

 

Abbruch der alten Kirche - Mai 1960

 

Anschließend wurden die noch stehenden Umfassungsmauern abgetragen und schon Anfang Juni war das Gotteshaus vollständig verschwunden. Auf dem eingeebneten Platz wurde an der Stelle, an welcher der Hochaltar der neuen Kirche geplant war, ein neun Meter hohes Holzkreuz aus Dachsparren der alten Kirche aufgestellt. Zu seinen Füßen versammelte sich die Pfarrgemeinde am Fronleichnamstag, 16. Juni 1960, zum festlichen Gottesdienst, in dem Pfarrer Wellinger der ersten Spatenstich für die neue Kirche tat. „…Eine strahlende Spätfrühlingssonne, die festtäglichen Kleider der Menschen, die Fahnen der einzelnen Abordnungen, die goldbestickten Messgewänder der Geistlichen und die Ministranten in ihren weißen und roten Gewändern machten den kahlen Bauplatz zu einem farbenfrohen Forum, das Andacht und Bekenntnis ausstrahlte für den Herrn, dem an dieser Stelle ein neues Haus errichtet werden soll…“. 

Erster Spatenstich zum Kirchenneubau

 

Die Bauarbeiten an dem neuen Gotteshaus nahmen ihren planmäßigen Fortgang. An dritten Adventssonntag, 11. Dezember 1960, war Grundsteinlegung. Im Hauptgottesdienst am Morgen in der Lorenzkirche weihte Pfarrer Wellinger das für die Weiheakte am Nachmittag benötigte Wasser und Salz. Um 14.30 Uhr begannen auf der Kirchenbaustelle die Feierlichkeiten, zu denen sich zahlreiche Gemeindemitglieder und Gäste eingefunden hatten. Nach dem einleitend von der Stadtmusik gespielten Festhymnus nahm Dekan Max Weinmann aus Villingen unter der Assistenz der Vikare Beha, Leistler und Kraft die einzelnen Weiheakte vor. Nach der Weihe der Hochaltarstätte wurde die Grundsteinlegungsurkunde verlesen. Anschließend wurde das Dokument in einer Kassette zusammen mit Tageszeitungen des Vortages und einigen Münzen hinterlegt. Die Kassette wurde in einer Vertiefung des Grundsteins eingelassen. Dieser stammt noch von der alten Kirche. Er wurde neu behauen und trägt jetzt, nach außen gekehrt, die Jahreszahl 1960.

 

Die Segenswünsche des Stiftungsrates überbrachte Josef Dorer. In seiner Eigenschaft als Bauleiter sprach Berthold Hass. Die Glückwünsche der Stadt übermittelte Bürgermeister Paul Leuchtenmacher, als Vertreter der Schulen wünschte Konrektor Eberlein, dass Gott die neue Kirche, die Stadt und ihre Bewohner segnen möge. Mit dem gemeinsam gesungenen „Großer Gott, wir loben dich“ klang die Feier aus.

 

 

Urkunde

 

zur Hinterlegung in den Grundstein der römisch-katholischen Kirche für die katholische Gemeinde der Stadt St. Georgen im Schwarzwald.

 

IM NAMEN DER ALLERHEILIGSTEN DREIFALTIGKEIT, DAS VATERS UND DES SOHNES UND DES HEILIGEN GEISTES. AMEN.

 

Im Jahre eintausendneunhundertsechzig nach unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi Geburt, im dritten Jahre des Pontifikats unseres heiligen Vaters, des Papstes Johannes XXIII., in der Zeit, da Erzbischof Dr. Hermann Schäufele Oberhirte der Erzdiözese Freiburg, Dr. Ernst Föhr Generalvikar und Karl Gnädiger erwählter Weihbischof war, da Pfarrer Max Weinmann Dekan des Landkapitels Villingen und Willi Wellinger Pfarrer von St. Georgen war, da unser Vaterland immer noch in zwei Teile zerrissen, und Dr. Heinrich Lübke als Bundespräsident und Dr. Konrad Adenauer als Bundeskanzler die Geschicke der Bundesrepublik lenkten, da Paul Leuchtenmacher Bürgermeister der Stadt St. Georgen war, wurde am dritten Adventssonntag, dem 11. Dezember, dieser Grundstein für die neue römisch-katholische Kirche in St. Georgen feierlich geweiht und in großer Freude der Pfarrgemeinde gelegt. Der Grundstein wurde gefertigt aus dem 1889 gelegten Grundstein der in diesem Jahre abgebrochenen Kirche, die durch das starke Anwachsen der katholischen Gemeinde in den letzten Jahren viel zu klein geworden war. Die Rücksicht auf die zentrale Lage der Kirche, und mehr noch die Geschichte ihres Platzes, auf dem bis zum Brand am 13. Oktober 1633 Kloster und Münster der Benediktinerabtei St. Georg standen, nachdem am Dreikönigstage 1536 die letzten Mönche aus ihrem Eigentum vertrieben waren, gab den Mut zum Abbruch der alten Kirche und zur Neuplanung eines Gotteshauses in entsprechender Größe auf dem alten Platz.

 

Die neue Pfarrkirche soll wie das einstige Kloster und die bisherige Kirche dem Patron der Bergstadt, dem heiligen Georg geweiht sein. Nebenpatrone sind die unbefleckte Gottesmutter und der heilige Laurentius. Die Pläne für die Kirche fertigte Oberbaurat Max Schätzle, Leiter des Erzbischöflichen Bauamtes Konstanz. Die Bauleitung hatte Regierungsbaumeister, Architekt Berthold Haas in St. Georgen. Die Ausführung des Rohbaues oblag der Firma Johann Weisser, St. Georgen. Die statische Berechnung machte Werner Lorke, Ingenieur für Baustatik, St. Georgen.

 

Das neue Gotteshaus, das mit Hilfe der Kirchenbehörde (Zuschuss von 300.000,- D-Mark), der Stadt St. Georgen, der Industrie der Bergstadt und vor allem der selbstlosen Opferbereitschaft der Gläubigen der Pfarrgemeinde gebaut wird, möge auf dem geweihten Grundstein, welcher Jesus Christus, den Eckstein des Reiches Gottes auf Erden versinnbildlicht, ruhen und ragen als ein Wahrzeichen lebendigen Glaubens und unwandelbarer Treue und hingebender Liebe zu Christus und seiner Kirche. Der ganzen Gemeinde aber sei dieses Gotteshaus ein Sinnbild für das himmlische Jerusalem, ein Ort der Anbetung und Verherrlichung des Dreieinigen Gottes, eine Quelle göttlicher Gnade und Liebe, übernatürlichen Lebens und immerwährender Erlösung, ein Unterpfand unvergänglicher, ewiger Glückseligkeit.

 

St. Georgen / Schwarzwald, am 3. Adventssonntag, den 11. Dezember 1960

 

 

In den folgenden Monaten nahm das Bauwerk rasch Gestalt an. Am 20. September 1961, einem Mittwoch, waren die Arbeiten so weit fortgeschritten, dass abends um 18 Uhr Richtfest gefeiert werden konnte. Der St. Georgener Gemeinderat hatte eigens seine Sitzung unterbrochen, um dem denkwürdigen Augenblick beizuwohnen. Neben vielen Gläubigen waren zu der Feier auch zahlreiche Gäste wie Landrat Dr. Josef Astfäller, Bürgermeister Leuchtenmacher, die Stadträte und Vertreter der Landespolizei gekommen. Gemeinsam dankten sie dem Schöpfer für seinen Segen, mit dem er den Bau begleitet hatte. Mit dem feierlichen Te Deum ging das Richtfest zu Ende. Die Handwerker und die Mitarbeiter der am Bau beteiligten Firmen trafen sich anschließend im „Ochsen“.

 

Mit Hochdruck wurde an der Fertigstellung des Gotteshauses gearbeitet und bereits vier Wochen später war das Kirchenschiff im Wesentlichen vollendet. Die feierliche Einweihung war am 15. Oktober 1961, dem Kirchweihfest der Erzdiözese Freiburg. In einem levitierten Hochamt mit Orchestermesse konsekrierte der Freiburger Karl Gnädinger die neue Kirche.

Einweihung der neuen Kirche am 15. Oktober 1961 - Weihbischof Karl Gnädinger

 

In seinem Grußwort schrieb der damalige Bürgermeister Paul Leuchtenmacher:

 

Zu dem in der Geschichte vieler Generationen einmaligen Jubeltage der Katholischen Kirchengemeinde St. Georgen darf ich die herzlichen und aufrichtigen Glückwünsche der gesamten Bürgerschaft, diejenigen des Gemeinderats und der Stadtverwaltung wie auch meine eigenen übermitteln. Mit diesem neuen Gotteshaus hat die katholische Gemeinde nicht nur sich selbst ein Denkmal gesetzt, sondern darüber hinaus auch in städtebaulicher Hinsicht ein neues Wahrzeichen unserer Stadt geschaffen. Wir möchten wünschen, dass der Herrgott seine segnende und schützende Hand allezeit über diesem Hause halten möge“.

Bau des neuen Kirchturms - Sommer 1962

 

Noch nicht fertiggestellt war damals der Kirchturm. Mit seinem Bau war erst zwei Monate vor der Kirchweihe, im August 1961, begonnen worden. Mit einer Unterbrechung von vier Monaten während des Winters wuchs das schlanke Bauwerk Woche für Woche in die Höhe. Im Spätsommer 1962 wurde der Turm vollendet. Turm- und Glockenweihe war am Christkönigsfest, 28. Oktober 1962.

 

Jochen Schultheiß